Weniger Saatgut, platzierte N-Düngung und höhere Rohproteingehalte im Versuch 2025/26 

Controlled Row Farming (CRF) verbindet weite Reihen mit einer gezielten Platzierung von Betriebsmitteln. Im Winterweizenversuch 2025/26 auf Gut Wambergen wurde untersucht, wie sich eine halbierte Aussaatstärke, eine platzierte mineralische Stickstoffdüngung und Untersaaten auf Ertrag und Qualität auswirken. 

Der Versuch baut auf den Ergebnissen der Wintergerste auf 

Bereits in den Vorjahren hat sich im Wintergetreide gezeigt, dass eine weite Reihe eine deutlich reduzierte Aussaatstärke kompensieren kann und dennoch ertraglich keine Verluste zu messen sind. Im Winterweizen wurde dieser Ansatz 2025/26 weitergeführt. Die konventionelle Variante wurde mit 320 keimfähigen Körnern/m² ausgesät, die drei CRF-Varianten mit 160 keimfähigen Körnern/m². Grunddüngung (ZA-TS 4200) und Pflanzenschutz (UF1302) waren in allen Varianten vergleichbar; die mineralische Stickstoffdüngung erfolgte vollständig als AHL. In einer Variante wurde der N-Düngung direkt an die Getreidereihe platziert. 

Neben dem Einfluss der platzierten N-Düngung stand die Frage im Mittelpunkt, ob die weite Reihe zusätzlichen Raum für Untersaaten und mechanische Pflege schafft. Der Versuch verbindet damit mehrere Bausteine des CRF-Systems: weniger Saatgut, präzisere Nährstoffplatzierung, Bandapplikation im Pflanzenschutz und mechanische Unkrautkontrolle. 

Bestandesführung: Betriebsmittel gezielt an die Reihe bringen 

Links: platzierte N-Düngung am 8. April 2026.

Rechts: mechanische Unkrautkontrolle am 23. April 2026.

Die weitere Reihe schafft Platz, um Maßnahmen im Bestand gezielter durchzuführen. Die AHL-Düngung wurde in den dafür vorgesehenen CRF-Varianten entlang der Kulturreihe platziert. Gleichzeitig konnten Pflanzenschutzmittel bandweise appliziert und die Zwischenräume mechanisch bearbeitet werden. Ziel ist nicht allein eine Reduzierung einzelner Betriebsmittel, sondern ihre möglichst präzise Platzierung dort, wo die Kultur sie benötigt. 

Die Bandapplikation von Herbiziden im Frühjahr in Kombination mit einer mechanischen Unkrautkontrolle war sehr erfolgreich. Im weiteren Verlauf der Vegetation konnte kein problematischer Unkrautaufgang beobachtet werden. Um die jeweils optimalen Zeitpunkten wurde vorab mit der UF1302 das Herbizid appliziert und kurze Zeit später mit der Venterra 1K mechanisch das Unkraut reguliert. 

Der granulierte Dünger wurde mit einem ZA-TS 4200, der flüssige Dünger und Pflanzenschutz mit einer UF1302 ausgebracht. Neben der mechanische Unkrautkontrolle wurde mit der Venterra 1K auch Untersaaten ausgebracht. Wobei zur Ausbringung die üblichen Prallbleche genutzt wurden. 

Untersaaten: Das Anbaukonzept funktioniert nur bei sicherer Etablierung 

Die zusätzliche Fläche zwischen den Weizenreihen sollte auch für Untersaaten genutzt werden. Im Herbst wurde Weißklee mit 3 kg/ha vorgesehen. Diese Etablierung gelang aufgrund sehr hoher Niederschläge jedoch nicht. Ein zweiter Versuch im Frühjahr scheiterte unter den entgegengesetzten Bedingungen: Nach der Aussaat folgte eine ausgeprägte Trockenphase, sodass die jungen Pflanzen vertrockneten. 

Damit konnte die Wirkung einer etablierten Untersaat im Versuchsjahr 2026 nicht bewertet werden. Gleichzeitig zeigt das Ergebnis, wie stark der Erfolg solcher Systeme vom richtigen Saatzeitpunkt und einer ausreichenden Wasserversorgung abhängt. Die technische Möglichkeit zur Platzierung allein reicht nicht aus - die Untersaat muss unter den jeweiligen Standort- und Witterungsbedingungen sicher auflaufen können. 

Ertrag und Qualität: weniger Ertrag, aber deutlich mehr Rohprotein 

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Ertrag und Rohproteingehalt der konventionellen Variante und der drei CRF-Varianten.

Bei der Ernte erreichte der konventionelle Weizen mit 87,8 dt/ha den höchsten Kornertrag. Die drei CRF-Varianten lagen mit rund 79 bis 80 dt/ha darunter. Die überarbeitete Versuchsauswertung ordnet den Ertragsvorteil des konventionellen Anbaus mit rund 8 % ein. Alle Erträge beziehen sich auf 14 % Kornfeuchte. 

Anders fiel das Ergebnis bei der Kornqualität aus. Der Rohproteingehalt lag im konventionellen Anbau bei 11,9 %. In den CRF-Varianten wurden 13,2 bis 13,5 % erreicht - ein Plus von rund 1,3 bis 1,6 Prozentpunkten. Gleichzeitig zeigte sich innerhalb der CRF-Varianten kein erkennbarer Einfluss der N-Düngungsplatzierung auf Ertrag oder Rohproteingehalt. 

 

Die Bestandeskompensation hat Grenzen 

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Ertragsbildung: Tausendkornmasse und Ährendichte im Vergleich.

Die Ertragskomponenten erklären die Unterschiede: Trotz halbierter Aussaatstärke bildeten die CRF-Varianten 379 bis 470 Ähren/m² und kompensierten damit die geringere Saatmenge. Die konventionelle Variante erreichte 419 Ähren/m². 

Die Tausendkornmasse lag im konventionellen Anbau bei 41,9 g und in den CRF-Varianten bei 37,4 bis 39,4 g. Hier zeigt sich der Einfluss der extremen Hitzeperiode im Juli, welche die Kornfüllung abbrach. Die CRF-Bestände waren zu diesem Zeitpunkt weniger weit entwickelt. Zusätzlich können noch weitere dazu gekommen sein, wie die stärkere Sonneneinstrahlung auf den unbeschatteten Boden zwischen den weiten Reihen, sodass die Evaporation zunehmen konnte. 

 

Was lässt sich aus dem Versuch ableiten? 

Winterweizen vor der Ernte auf Gut Wambergen. Der Winterweizenversuch 2025/26 zeigt, dass sich die halbierte Aussaatstärke im CRF-System über eine gute Bestandesentwicklung weitgehend kompensieren ließ. Bei der Ernte blieb der konventionelle Anbau dennoch ertraglich vorn, während die CRF-Varianten höhere Rohproteingehalte erreichten. Es ist nochmal genauer zu prüfen, welcher Sortentyp in einer weiteren Reihe am besten funktionieren oder ob für den Ertragsnachteil die Witterung der Hauptgrund ist. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass in der Wintergerste das System der weiten Reihe ohne Ertragsnachteil sehr gut funktioniert (vgl. Artikel: Versuchsbericht Wintergerste – Weite Reihe und N-Düngeeffizienz). 

Die mechanische Unkrautkontrolle im Frühjahr erwies sich als sehr effektiv, sodass der Herbizideinsatz um 50% reduziert werden konnte. Eine sicher etablierte, gezielt platzierte Untersaat hilft den Boden zwischen den Reihen zu bedecken und das Bestandesklima zu beeinflussen und das Bodenleben zu fördern. Ob sich dadurch der Ertrag stabilisieren lässt, muss in weiteren Versuchen geprüft werden. Dazu wird in den nächsten Jahren in einem Forschungsprojekt durchgeführt mit der Frage, wie das gelingen kann.