Mischkulturen präzise etablieren – jede Kultur am richtigen Platz
Mischkulturen, Begleitsaaten und Untersaaten gewinnen im modernen Ackerbau zunehmend an Bedeutung. Sie verbessern die Ressourceneffizienz, erhöhen die Biodiversität und tragen dazu bei, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern zu reduzieren. Im Rahmen des Projekts Controlled Row Farming (CRF) hat AMAZONE eine technische Lösung entwickelt, mit der sich verschiedenste Kulturarten präzise und ohne Kompromisse etablieren lassen.
Mischkulturen stellen neue Anforderungen an die Sätechnik
Der Anbau mehrerer Kulturen auf einer Fläche verfolgt das Ziel, die positiven Eigenschaften verschiedener Pflanzen gezielt miteinander zu kombinieren. Während Leguminosen Stickstoff binden und die Folgekultur versorgen können, schützen Begleitpflanzen den Boden vor Erosion, unterdrücken Unkräuter und fördern die biologische Vielfalt. Zwischenfruchtmischungen verbessern zusätzlich die Bodenstruktur und erschließen Nährstoffe aus unterschiedlichen Bodenschichten.
Mit zunehmender Vielfalt steigen jedoch auch die technischen Anforderungen an die Aussaat. Die Saatgüter unterscheiden sich oftmals deutlich hinsichtlich Korngröße, Tausendkornmasse und Form. Werden alle Komponenten gemeinsam über einen Saatgutbehälter ausgebracht, kann es zu Entmischungen kommen. Die Folge ist eine ungleichmäßige Verteilung und damit ein uneinheitlicher Pflanzenbestand.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die optimale Ablagetiefe. Während großkörnige Leguminosen mehrere Zentimeter tief abgelegt werden müssen, benötigen feine Kleearten häufig lediglich Bodenschluss oder sogar eine oberflächliche Ablage. Werden alle Komponenten auf einer gemeinsamen Kompromisstiefe ausgesät, verschlechtern sich die Keimbedingungen einzelner Kulturen deutlich.
Vier Abgabepunkte schaffen optimale Bedingungen für jede Kultur
Basis der Versuchstechnik ist eine Precea 6000-2FCC mit einem zweigeteilten FTender 2200. Im Vergleich wurde zur Serienmaschine wurden noch ein weiterer Saatgutverteilerkopf und RoTeC-Einscheibenschare für einen weiteren Abgabepunkt hinzugefügt. Daher besitzt diese Sämaschinen vier voneinander unabhängige Ablageorte, die unterschiedliche Saatgüter gezielt platzieren können.
Die Hauptkultur wird über die bekannten PreTeC-Einzelkornsäaggregate präzise abgelegt. Ergänzend stehen FerTeC-Doppelscheibenschare zur Verfügung, die neben einer Unterfußdüngung auch großkörnige Saatgüter wie Ackerbohnen oder Lupinen ausbringen können.
Zwischen den Hauptreihen befinden sich zwei zusätzliche RoTeC-Einscheibenschare, die speziell für Begleitpflanzen oder Getreide ausgelegt sind. Feinsämereien wie Kleearten werden schließlich über die Mikrogranulatstreuer direkt an der optimalen Position abgelegt.
Dadurch erhält jede Kultur genau die Ablagetiefe und den Standraum, die für einen gleichmäßigen Feldaufgang erforderlich sind. Gleichzeitig verhindert die getrennte Saatgutführung Entmischungen innerhalb des Systems.
Eine Maschine – zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
Die Versuchstechnik wurde bereits in unterschiedlichen Kulturen und Anbausystemen eingesetzt.
Im Maisanbau erfolgt die präzise Ablage der Hauptkultur über das Einzelkornaggregat, während Untersaaten wie Weißklee oder weitere Zwischenfruchtarten über die Begleitsaateneinrichtung gedrillt werden. Gleichzeitig ermöglicht das FerTeC-Schar eine präzise Unterfußdüngung. Nach der Maisernte übernehmen die Untersaaten den Erosionsschutz, binden Nährstoffe und verbessern die Bodenstruktur.
Auch bei Zwischenfruchtmischungen bietet das System neue Möglichkeiten. Großkörnige Leguminosen können tief abgelegt werden, während Arten wie Phacelia, Rauhafer oder Senf auf ihre jeweils optimale Tiefe gedrillt werden. Feinsämereien ergänzen die Mischung über die Mikrogranulatstreuer.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Rapsaussaat mit Begleitpflanzen. Während der Raps präzise als Einzelkornsaat abgelegt wird, können Öllein, Serradella oder Ramtillkraut über die Begleitsaateneinrichtung ausgebracht werden. Größere Leguminosen erhalten ihre optimale Ablagetiefe über die FerTeC-Schare, feine Kleearten werden oberflächennah abgelegt.
Durch diese räumliche Trennung wird die Konkurrenz zwischen Haupt- und Begleitkultur deutlich reduziert. Gleichzeitig konnten Versuche zeigen, dass etwas höher wachsende Begleitpflanzen junge Rapsbestände zusätzlich vor Gänsefraß schützen können.
Versuchsergebnisse bestätigen den Ansatz
Wie groß der Einfluss einer optimalen Ablagetiefe tatsächlich ist, zeigen Feldversuche mit Raps-Begleitsaaten eindrucksvoll.
In einer Vergleichsvariante wurden sämtliche Komponenten gemeinsam auf einer einheitlichen Ablagetiefe ausgesät. In der zweiten Variante erhielt jede Kultur ihre artspezifische Ablagetiefe und wurde über den jeweils geeigneten Abgabepunkt ausgebracht.
Die Unterschiede beim Feldaufgang waren deutlich.
Bei Lupinen führte die tiefere Ablage auf etwa sechs Zentimeter zu einer Steigerung des Feldaufgangs um rund 90 Prozent gegenüber der gemeinsamen Aussaat. Noch stärker reagierten Perser- und Alexandrinerklee. Durch die oberflächliche Ablage konnte der Feldaufgang auf rund 210 Prozent gegenüber der Kompromissvariante gesteigert werden.
Diese Ergebnisse verdeutlichen, welchen Einfluss die richtige Ablagetiefe auf den Feldaufgang besitzt. Erst wenn jede Kultur entsprechend ihrer Anforderungen abgelegt wird, kann das volle Potenzial ausgeschöpft werden.
Fazit
Vielfältige Pflanzenbestände gelten als wichtiger Baustein eines zukunftsfähigen Ackerbaus. Damit Mischkulturen ihr Potenzial vollständig entfalten können, müssen jedoch die unterschiedlichen Ansprüche der einzelnen Kulturen bereits bei der Aussaat berücksichtigt werden.
Die im Rahmen des CRF entwickelte CRF-Precea zeigt, wie sich diese Herausforderung lösen lässt. Vier unabhängige Abgabepunkte ermöglichen eine kulturspezifische Ablage ohne Kompromisse. Die Versuchsergebnisse bestätigen den Ansatz eindrucksvoll: Optimierte Feldaufgänge, eine bessere Standraumverteilung und mehr Flexibilität schaffen die Grundlage für leistungsfähige Mischkultursysteme im konventionellen Pflanzenbau.